1. Materialpreise: Vom Preisschock zur "Plateau-Phase"
Nach den extremen Schwankungen der Vorjahre haben sich die Lieferketten 2026 weitgehend stabilisiert. Dennoch bleibt der Druck auf die Rendite hoch:
- Dauerhaft hohes Preisniveau: Die Preise für Baustoffe und Vorprodukte sind nicht auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt, sondern verharren auf einem hohen Plateau.
- Kalkulationsrisiken: Betriebe nutzen verstärkt kurze Bindefristen (oft nur wenige Tage) oder Preisgleitklauseln, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Wer noch mit starren Pauschalpreisen kalkuliert, riskiert bei unvorhergesehenen Preissprüngen seine gesamte Marge.
- Kapitalbindung: Höhere Materialkosten bedeuten auch eine höhere Kapitalbindung im Lager und bei der Vorfinanzierung von Projekten, was die Liquidität belastet.
2. Fachkräftesituation: Der "Flaschenhals" der Produktivität
Der Mangel an qualifiziertem Personal hat sich 2026 als das größte Wachstumshemmnis zementiert. Rund 250.000 Stellen im deutschen Handwerk sind rechnerisch unbesetzt.
- Lohndruck: Um Mitarbeiter zu halten oder zu gewinnen, müssen Betriebe die Löhne deutlich anpassen. Diese steigenden Personalkosten müssen eins zu eins an die Kunden weitergegeben werden, was die Nachfrage (insbesondere bei Privatkunden) dämpfen kann.
- Auftragsstopp trotz Nachfrage: Viele Betriebe müssen lukrative Aufträge ablehnen, da schlichtweg die "Hände" fehlen, um sie abzuarbeiten. Dies führt zu einer künstlichen Deckelung des Umsatzpotenzials.
- Wettbewerb mit der Industrie: Das Handwerk steht in direkter Konkurrenz zu Industriekonzernen, die oft mit höheren Gehältern und flexibleren Arbeitszeitmodellen (z. B. 4-Tage-Woche) werben.
3. Die Rendite-Schere: Gewinner und Verlierer
Die Ertragssituation unterscheidet sich stark nach Branchenzugehörigkeit. Beispiele:
Gewerk Ertragsprognose 2026 Hauptgrund
Ausbau Sehr gut Hohe Nachfrage durch Energiewende und Sanierungspflichten
Bauhauptgewerbe Angespannt Hohe Zinsen und Baukosten bremsen den Neubau; Margendruck
Fazit und Ausblick
Die Ertragssituation im Handwerk ist 2026 kein Selbstläufer mehr. Während die Auftragsbücher in Bereichen wie der energetischen Sanierung voll sind, fressen die operativen Kosten (Material + Lohn) die Gewinne oft wieder auf. Erfolg haben vor allem Betriebe, die ihre Prozesse digitalisieren, um die Effizienz der knappen Fachkräfte zu steigern, und die ihre Preise dynamisch an den Markt anpassen.
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Theo van der Burgt (Geschäftsführer BAUHERRENreport GmbH)
Kontakt: 021 31-742 789-0 oder 0172-213 26 02 Mail: [email protected]

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