Material- und Lohnkosten im Handwerk steigen schneller als die Verkaufspreise

1. Die Kostentreiber im Detail

 

Die Belastung für Handwerksbetriebe setzt sich aus zwei Hauptfaktoren zusammen, die sich gegenseitig verstärken:

 

  • Lohnkosten: Durch den massiven Fachkräftemangel und die hohe Inflation der Vorjahre sind die Tariflöhne deutlich gestiegen. Im Bauhauptgewerbe beispielsweise stiegen die Löhne allein im Frühjahr 2025 um bis zu 5 %. Hinzu kommen gestiegene Lohnnebenkosten (Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge).
  • Materialkosten: Während sich einige Rohstoffe (wie Holz) stabilisiert haben, bleiben energieintensive Materialien (Zement, Glas, Metall) auf einem sehr hohen Niveau. Viele Betriebe tragen hier das Kalkulationsrisiko, wenn zwischen Angebot und Ausführung die Einkaufspreise steigen.

2. Warum die Verkaufspreise nicht im gleichen Maße steigen

 

Obwohl die Kosten steigen, können viele Betriebe ihre Stundensätze nicht beliebig erhöhen. Die Gründe sind:

 

  • Nachfragerückgang: Besonders im privaten Wohnungsbau ist die Nachfrage aufgrund hoher Zinsen eingebrochen. Betriebe halten die Preise künstlich stabil, um überhaupt Aufträge zu erhalten.
  • Psychologische Schmerzgrenze: Bei Stundensätzen, die in Ballungsräumen teils über 80 bis 100 Euro liegen, reagieren Privatkunden sensibel. Projekte werden eher aufgeschoben oder „schwarz“ bzw. in Eigenleistung durchgeführt.
  • Wettbewerbsdruck: Um in Ausschreibungen wettbewerbsfähig zu bleiben, kürzen Betriebe oft an ihrer eigenen Gewinnmarge, statt die realen Kostensteigerungen eins zu eins weiterzugeben.

3. Die Folgen für die Betriebe

 

  • Margen-Erosion: Die Rentabilität sinkt. Ein Betrieb macht zwar denselben Umsatz, am Ende bleibt jedoch deutlich weniger Gewinn übrig, um in neue Maschinen oder Digitalisierung zu investieren.
  • Insolvenzrisiko: Die Zahl der Insolvenzen im Handwerk ist im ersten Halbjahr 2025 spürbar gestiegen, da die Liquiditätspuffer durch die dauerhafte Kostenbelastung aufgebraucht sind.

Strategien für Handwerksbetriebe

 

Um dieser Schere zu entkommen, nutzen erfolgreiche Betriebe aktuell folgende Werkzeuge:

 

  1. Stoffpreisgleitklauseln: Verträge werden so gestaltet, dass Materialpreissteigerungen während der Bauphase an den Kunden weitergegeben werden können.
  1. Kürzere Angebotsfristen: Angebote sind oft nur noch 14 Tage oder sogar nur 48 Stunden gültig.
  1. Effizienzsteigerung: Einsatz von Software zur schnelleren Kalkulation und zur Vermeidung von Leerlaufzeiten auf der Baustelle.

Mehr Fachinformationen zum Thema hier: WWW.BAUHERREN-PORTAL.COM

 

Theo van der Burgt (Geschäftsführer BAUHERRENreport GmbH)

 

Kontakt: 021 31-742 789-0 oder 0172-213 26 02 Mail: [email protected]

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