Wenn die Einkaufspreise zwischen Angebotserstellung und Ausführung unvorhersehbar steigen, schmilzt die mühsam kalkulierte Marge oft komplett dahin. Hier sind die gängigsten Strategien, mit denen Betriebe derzeit versuchen, dieses Risiko zu minimieren:
1. Rechtliche Absicherung durch Preisgleitklauseln
Anstatt Festpreise zu garantieren, werden Preisgleitklauseln in die Verträge aufgenommen. Diese erlauben es, Preissteigerungen bei Material oder Energie an den Kunden weiterzugeben, falls diese einen bestimmten Prozentsatz überschreiten.
- Wichtig: Diese Klauseln müssen rechtssicher formuliert sein (Transparenzgebot), damit sie vor allem gegenüber Privatkunden Bestand haben.
2. Verkürzung der Bindefristen
Früher waren Angebote oft 30 oder 90 Tage gültig. Heute gehen viele Betriebe dazu über, die Gültigkeit auf 7 bis 14 Tage (oder sogar nur wenige Tage) zu begrenzen.
- Effekt: Der Handwerker kann kurzfristiger auf aktuelle Marktpreise reagieren, bevor der Auftrag final unterschrieben wird.
3. Materialbeschaffung und Vorauskasse
Sobald der Auftrag erteilt ist, wird das Material sofort bestellt und eingelagert, um den Preis zu "fixieren".
- Anzahlungen: Um die Liquidität durch den frühen Materialeinkauf nicht zu gefährden, werden verstärkt Abschlagszahlungen oder Vorauskassen für Materialkosten vereinbart.
4. Energiekosten als separate Pauschale
Manche Betriebe gehen dazu über, Energiekosten (z.B. für Werkstattbetrieb oder Maschinenstunden) nicht mehr versteckt in den Gemeinkosten zu kalkulieren, sondern als Energie-Teuerungszuschlag transparent auf der Rechnung auszuweisen. Das macht die Kalkulation flexibler und für den Kunden nachvollziehbarer.
5. Kalkulation mit höheren Risikopuffern
Wo Preisgleitklauseln nicht möglich sind (z.B. bei öffentlichen Ausschreibungen), müssen Handwerker gezwungenermaßen mit höheren Wagnis- und Gewinnzuschlägen kalkulieren. Das macht das Angebot zwar teurer, schützt aber vor dem Ruin bei Preissprüngen.
Herausforderung Kommunikation:
Die größte Hürde ist oft die Akzeptanz beim Kunden. Transparenz ist hier der Schlüssel: Wer erklärt, dass diese Maßnahmen dazu dienen, den Betrieb stabil zu halten und die Ausführung zu garantieren, stößt meist auf mehr Verständnis als bei plötzlichen Nachforderungen.
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Theo van der Burgt (Geschäftsführer BAUHERRENreport GmbH)
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