Azubimangel gefährdet Fortbestand vieler Handwerksbetriebe

Aktuelle Lage (Stand Anfang 2026)

 

Positive Signale 2025: Im Handwerk gab es entgegen dem Gesamttrend leicht steigende oder stabile Azubi-Zahlen.

 

·       Bundesweit wurden 2025 etwa 135.540 neue Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen – ein minimales Plus von ca. 500 Verträgen gegenüber 2024 (Quelle: BIBB-Analyse).

·       In vielen Regionen (z. B. Hessen +3 %, Bayern +3,2 %, Ulm +2 %, Heilbronn-Franken +6 %) meldeten Handwerkskammern Zuwächse.

·       Das Handwerk bleibt mit Abstand der größte Ausbilder in Deutschland (über ein Drittel aller neuen Verträge).

 

Aber: Das Problem ist strukturell und langfristig sehr ernst:

 

·       Viele Betriebe können trotz Angebot immer noch nicht alle Plätze besetzen – bundesweit blieben zuletzt oft 18–20 % der handwerklichen Ausbildungsplätze leer (ca. 19.000 unbesetzte Stellen laut Berufsbildungsbericht 2025).

·       Besonders betroffen sind SHK (Sanitär, Heizung, Klima), Elektro, Bau- und Ausbaugewerbe.

·       Gleichzeitig gehen die Babyboomer-Generationen massenhaft in Rente → bis 2030 fehlen Zehntausende Fachkräfte allein durch Altersabgänge.

·       Viele kleine und mittlere Betriebe finden keinen Nachfolger → Schließungen oder Aufgabe (nicht immer Insolvenz, oft altersbedingte Betriebsaufgabe ohne Übernahme).

·       Insolvenzen im Handwerk stiegen 2024 deutlich (+18,9 % auf 4.350 Fälle) – Fachkräftemangel ist dabei ein Mitverursacher neben Konjunkturschwäche und Auftragsflaute.

 

Warum das den Fortbestand gefährdet:

 

  1. Auftragsabwicklung leidet → Weniger Kapazitäten → Auftragsstaus → Kunden wandern ab oder zahlen höhere Preise anderswo.
  2. Keine Nachwuchs-Pipeline → Wenn heute keine Azubis kommen, fehlen in 3 Jahren die Gesellen und in 8–10 Jahren die Meister/Nachfolger.
  3. Kettenreaktion → Viele kleine Betriebe (1–10 Mitarbeiter) können nicht mehr wachsen oder sogar schrumpfen → bei weiterer Auftragsflaute droht das Aus.
  4. Gesellschaftliche Folgen → Energiewende, Sanierungswelle, Wohnungsbau und Infrastruktur brauchen Handwerker – fehlen sie, stocken ganze Transformationsprojekte.

Was hilft und versucht wird:

 

  • Bessere Bezahlung und moderne Arbeitsbedingungen (viele junge Leute lehnen Branche wegen Image oder „harter“ Arbeitsweise ab).
  • Aktive Ansprache über TikTok, Instagram & Co. (einige Betriebe haben damit Erfolg).
  • Zuwanderung und Integration ausländischer Azubis (Anteil steigt in manchen Regionen).
  • Image-Kampagnen von ZDH, HWKs und „Ausbildung macht mehr aus uns“ (DIHK).
  • Alternative Einstiege (Umschulung, Quereinsteiger, Teilzeitausbildung).

Zusammengefasst:

 

2025 gab es eine kleine Entspannung bei den Azubi-Zahlen im Handwerk, aber der strukturelle Nachwuchsmangel bleibt akut und gefährdet langfristig tatsächlich den Fortbestand vieler (vor allem kleinerer) Betriebe. Ohne massive Gegenmaßnahmen (bessere Attraktivität + Zuwanderung + politische Unterstützung) wird das Problem in den nächsten 5–10 Jahren eher größer als kleiner.

 

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Theo van der Burgt (Geschäftsführer BAUHERRENreport GmbH, 41 564 Kaarst)

 

Kontakt: 021 31-742 789-0 oder 0172-213 26 02 Mail: [email protected]

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