Aktuelle Lage im Überblick (Stand Anfang 2026):
- Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 können immer noch mehr als jedes dritte Unternehmen (ca. 36 %) offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen – im Mittelstand sogar über 40 %.
- Im Handwerk selbst geben Umfragen (z. B. Handwerkskammer München/Oberbayern) an, dass rund 55 % der Betriebe entweder massiv unter Personalmangel leiden (23 %) oder gerne mehr einstellen würden, aber nicht können (32 %). Nur knapp die Hälfte hat alle Stellen besetzt.
- 62 % der Betriebe müssen Aufträge ablehnen, weil einfach niemand da ist, der die Arbeit machen kann.
- Schätzungen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) sprechen von ca. 200.000 unbesetzten Stellen im Handwerk (Stand Ende 2025).
Besonders betroffen sind klassische Gewerke wie:
- Elektroinstallation
- Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK)
- Metall- und Fahrzeugbau
- Bauhaupt- und -Nebengewerbe
- Dachdecker, Tischler, Maler usw.
Warum ist der Markt so „leergefegt“?
- Demografischer Wandel → Viele erfahrene Meister und Gesellen gehen in Rente, Nachwuchs rückt zahlenmäßig nicht nach.
- Akademisierung → Viele Jugendliche streben Abi + Studium an, statt Ausbildung.
- Imageproblem → Handwerk gilt bei manchen immer noch als „anstrengend, schmutzig, schlecht bezahlt“ – obwohl die Realität (vor allem bei guten Betrieben) oft anders aussieht.
- Regionale Effekte → Auf dem Land und in strukturschwachen Regionen ist es besonders dramatisch.
Was tun Betriebe aktuell (und was funktioniert halbwegs)?
- Flexiblere Arbeitszeitmodelle (z. B. 4-Tage-Woche, Gleitzeit) → mit Abstand am häufigsten genannt (ca. 47 %)
- Finanzielle Anreize (höhere Löhne, Prämien, Zulagen) → 45 %
- Bessere Ausbildungs- & Übernahmechancen zeigen (Meisterausbildung bezahlt, Firmenwagen etc.)
- Aktives Ansprechen von Gymnasiasten und Quereinsteigern
- Digitalisierung & Prozessoptimierung, um mit weniger Personal mehr zu schaffen
- Wohnraumförderung oder Azubi-WGs in manchen Regionen
Trotzdem: Viele Chefs berichten, dass klassische Stellenanzeigen fast nichts mehr bringen. Wer gute Leute will, muss heute aktiv suchen (Active Sourcing), Netzwerke nutzen, auf Social Media präsent sein und vor allem ein attraktives Arbeitsumfeld bieten.
Fazit:
Der Fachkräftemangel im Handwerk ist 2026 strukturell und bleibt. Die Konjunkturschwäche mildert ihn nur etwas ab, löst ihn aber nicht. Viele Betriebe stehen vor der schmerzhaften Wahl: Aufträge ablehnen, Überstunden/Stress für die vorhandenen Mitarbeiter erhöhen oder langfristig schrumpfen.
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