Warum reichen die „alten“ Maßnahmenpakete nicht mehr?
Frühere und etablierte Ansätze (z. B. klassische Anzeigen in Zeitungen, Messen, Kammervermittlung, Ausbildungsprämien, Imagekampagnen à la „Handwerk hat Zukunft“ oder leichte Verbesserungen bei Ausbildungsvergütung) greifen bei der Generation Z und den aktuellen Schulabgängern kaum noch:
- Tradition und „solides Handwerk“ allein ziehen nicht mehr. Viele Jugendliche priorisieren Selbstbestimmtheit, Work-Life-Balance, Sinnhaftigkeit und digitale/attraktive Präsentation.
- Digitale Kanäle fehlen oft → TikTok, Instagram Reels, authentische Einblicke in den Alltag (keine Hochglanzbroschüren) sind entscheidend. Viele (vor allem kleine) Betriebe sind hier noch nicht präsent oder wirken veraltet.
- Schulabgänger haben oft Defizite in Grundkompetenzen (Deutsch, Mathe), was zu hohen Vertragslösungsquoten (~30 %) und Nachschulungsbedarf führt → Betriebe müssen inzwischen sehr häufig selbst nachqualifizieren.
- Matching-Krise → Jugendliche finden Betriebe nicht (oder umgekehrt), es gibt zu wenig passgenaue Vermittlung.
Was sagen Experten und Verbände 2025/2026? Der ZDH und viele Kammern betonen: „Es reicht nicht, es muss deutlich mehr passieren.“ Konkret fordern sie u. a.:
- Gesellschaftliches Umdenken (Abitur ist nicht alles – Handwerk bietet oft bessere Karrierechancen)
- Stärkere Berufsorientierung ab Klasse 7 als Schulfach
- Mehr Unterstützung für leistungsschwächere Jugendliche (vor und während der Ausbildung)
- Schnelle Umsetzung von Koalitionsversprechen (Aufstiegs-BAföG, moderne Berufsschulen etc.)
- Deutliche Attraktivitätssteigerung (Vergütung, Arbeitszeiten, Mitbestimmung, Digitalisierung im Betrieb)
Was funktioniert aktuell besser? Viele Betriebe gehen inzwischen eigene, kreative Wege, weil die Kammer-Standardmaßnahmen allein nicht reichen:
- Social Media Recruiting (TikTok, Instagram) mit echten Azubis als Influencern
- Benefits wie Führerscheinzuschuss, Firmen-Ski-Trip, Fitnesszuschuss, flexible Arbeitszeiten
- Authentische Einblicke („Day in the Life“-Videos)
- Azubi-Botschafter-Programme
- Kooperationen mit Schulen/Influencern
- Teilweise KI-gestützte Bewerberauswahl oder personalisiertes Ansprechen
Fazit:
Die klassischen, „älteren“ Maßnahmenpakete (Imagekampagnen, Prämien, Messeauftritte) sind nicht nutzlos, aber sie reichen definitiv nicht mehr aus. Ohne Digitalisierung, echte Anpassung an die Werte der Jungen, bessere Grundkompetenz-Förderung und kreative, individuelle Ansprache bleibt die Azubi-Lücke im Handwerk weiter riesig. Viele kleine Betriebe spüren das 2026 besonders schmerzhaft und die Politik sowie die Kammern stehen in der Kritik, zu langsam zu reagieren.
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