Das führt zu einer Kette typischer Muster:
- Kleine Abweichungen (falscher Winkel, verschobene Höhenlage, provisorische Anschlüsse) wirken zunächst harmlos.
- Jeder Handwerker sieht nur seinen Bereich → Kollisionen werden erst später (manchmal erst bei der Endabnahme oder Jahre später) sichtbar.
- Improvisation rettet kurzfristig den Tag („muss ja irgendwie passen“), wird aber zur Methode.
- Später muss alles rausgerissen, neu gemacht oder aufwändig angepasst werden → Nacharbeit kostet 3–10× so viel wie eine saubere Lösung von Anfang an.
èPraxiserfahrungen zeigen: Nacharbeiten machen oft 4–10 % der Gesamtkosten eines Projekts aus, in Extremfällen sogar deutlich mehr. Das sind versteckte Kosten, die viele Betriebe unterschätzen.
Typische teure Impro-Konsequenzen:
- Elektriker verlegt Kabel „irgendwie“ um ein Lüftungsrohr herum → später muss die Decke großflächig geöffnet werden.
- Fliesenleger improvisiert bei unebenem Untergrund statt auszugleichen → Spannungsrisse → komplette Fläche raus.
- „Temporäre“ Lösungen (Holzlatten, Schaum, provisorische Abdichtungen) bleiben jahrelang → Schimmel, Wasserschäden, Garantieansprüche.
- Gewerk A improvisiert Höhenlage → Gewerk B + C müssen nachjustieren → Kettenreaktion über mehrere Gewerke.
Was Handwerker/Betriebe teuer zu stehen kommt:
- Material- & Lohnkosten der Nachbesserung (oft doppelt, weil zweimal gemacht)
- Zeitverlust → nächste Baustelle verzögert sich
- Gewährleistungsansprüche (bis 5 Jahre, teils länger)
- Rufschäden → weniger Folgeaufträge
- Rechtsstreitigkeiten → Anwalts- und Gerichtskosten
èViele erfahrene Poliere und Meister sagen: „Die teuersten Fehler sind die, die man nicht sofort sieht.“
Wie man den Teufelskreis durchbrechen kann:
- Frühzeitige Bedenkenanmeldung (schriftlich!) statt stiller Improvisation
- Klare Kommunikation zwischen Planung, Bauleitung und ausführenden Gewerken
- Digitale Werkzeuge (BIM, Baustellen-Apps, Aufmaß-Software) zur Kollisionsprüfung
- Kulturwandel: „Stopp sagen und klären“ muss belohnt werden, nicht bestraft
- Realistische Zeitpläne statt Wunschdenken
Fazit:
Improvisationstalent ist auf Baustellen Gold wert, aber nur, solange es eine Ausnahme bleibt und nicht zum Normalzustand wird. Sonst zahlt irgendwann jemand einen sehr hohen Preis dafür.
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