Aktuelle Umfragen und Berichte aus dem Handwerk zeigen:
- Rund 47 % der Beschäftigten nennen mangelnde Anerkennung und Wertschätzung als einen der größten Störfaktoren im Arbeitsalltag.
- Fast zwei Drittel (ca. 65–66 %) der befragten Handwerker haben bereits ernsthaft über einen Branchenwechsel nachgedacht oder tun es aktuell.
- Neben unattraktiven Arbeitszeiten, körperlicher Belastung und fehlenden Perspektiven steht fehlende Wertschätzung ganz oben auf der Frust-Liste.
Warum führt genau das zur Abwanderung?
Gesellen und Meister fühlen sich oft nur als Abarbeiter von Aufträgen wahrgenommen, statt als unverzichtbare Fachkräfte mit hohem Verantwortungsbewusstsein und Know-how.
Typische Situationen, die das verstärken:
- Kaum persönliches Feedback oder Lob für gute Arbeit
- Keine oder nur sehr seltene öffentliche Anerkennung (z. B. bei erfolgreichen Projekten, Lehrabschluss, Jubiläen)
- Führungskräfte, die eher kritisieren als würdigen
- Gefühl „man wird ersetzt, sobald man weg ist“ – besonders bei hoher Auftragslage ironischerweise noch stärker
Das Ergebnis:
Viele wechseln in die Industrie (bessere Bezahlung + oft mehr Wertschätzung), in den öffentlichen Dienst, in benachbarte Branchen (Facility Management, Vertrieb technischer Produkte) oder ganz aus dem Handwerk heraus.
Betriebe, die aktiv gegensteuern, berichten von deutlich geringerer Fluktuation:
- Regelmäßiges, konkretes Lob („Dank dir lief die Baustelle trotz der vielen Sonderwünsche pünktlich und sauber“ statt nur „Gut gemacht“)
- Kleine, aber sichtbare Gesten (Handwerker des Monats, Fotos von fertigen Projekten mit Namen im Schaukasten/Social Media, Dankes-Essen nach Großbaustellen)
- Karriere- und Weiterbildungsperspektiven offen kommunizieren und finanziell unterstützen
- Moderne Führung: Chefs, die zuhören, Fehler als Lernchance sehen und Verantwortung abgeben
- Faire Bezahlung + transparente Gehaltsentwicklung (verhindert das Gefühl „egal wie gut ich bin, es ändert sich nichts“)
Geld allein hält heute kaum noch jemanden. Wertschätzung ist der entscheidende weiche Faktor, der über Bleiben oder Gehen entscheidet, vor allem in einem Handwerk, das körperlich und zeitlich fordernd ist.
Fazit:
Viele Meister und Gesellen formulieren es so: „Ich gehe nicht wegen 300–500 € mehr netto, ich gehe, weil ich mich hier nicht mehr gesehen und respektiert fühle.“
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