Der Haupt-Treiber ist der anhaltende Fachkräftemangel, der 2025/2026 in fast allen Umfragen und Berichten als eines der zentralen Probleme des Handwerks gilt:
- Viele Betriebe haben volle Auftragsbücher, aber zu wenig Personal → die vorhandenen Mitarbeiter müssen höheres Tempo arbeiten, Überstunden leisten und flexibel einspringen.
- Laut verschiedenen Auswertungen berichten 55–60 % der Betroffenen von steigender Arbeitsbelastung durch Personalmangel.
- 60 % leisten regelmäßig Überstunden, 61 % arbeiten im höheren Tempo, fast 60 % müssen ihre Arbeitszeiten ständig anpassen.
- Der demografische Wandel, viele Meister gehen in Rente und dazu zu wenig Nachwuchs, und die Akademisierung (junge Leute bevorzugen oft Bürojobs) verschärfen das strukturell.
Hinzu kommen branchentypische Faktoren:
- Saisonale Spitzen (z. B. Bau, SHK im Winter/Sommer)
- Hohe körperliche und terminliche Belastung (Kundentermine, Wetterabhängigkeit, enge Zeitfenster)
- Zunehmender psychischer Druck durch Termin- und Leistungsdruck, kombiniert mit der Angst, Kunden zu verlieren
Auswirkungen auf die Work-Life-Balance
- Wenig Erholung: Lange Tage, Wochenendarbeit und ständige Erreichbarkeit sind in vielen Betrieben Normalität.
- Mentale und physische Gesundheit leidet: Berichte über steigenden Burnout-Anteil, Erschöpfung, Schlafstörungen und psychische Belastungen im Handwerk nehmen zu.
- Besonders jüngere Generationen (Gen Z, Millennials) leiden darunter stärker und nennen Work-Life-Balance inzwischen oft wichtiger als Gehalt.
- Viele Handwerksunternehmer selbst sehen gar keine klare Trennung zwischen „Work“ und „Life“ – Arbeit wird als Berufung/Hobby empfunden, was langfristig aber zu Überlastung führen kann.
Es gibt allerdings auch positive Entwicklungen oder Lösungsansätze:
- Flexible Modelle (Gleitzeit, 4-Tage-Woche in manchen Betrieben, variable Arbeitszeiten) gewinnen an Bedeutung und verbessern nachweislich Zufriedenheit und reduzieren Burnout-Risiko.
- Einige Betriebe investieren stärker in Mitarbeiter-Benefits, Gesundheitsförderung und kooperative Führung (New Work im Handwerk).
- Die Viertagewoche wird diskutiert, sie bringt bessere Balance, erfordert aber meist längere Tage und gute Planung.
- Digitale Tools (bessere Baustellenplanung, Zeiterfassung, Standardisierung) können helfen, Druck zu reduzieren und Produktivität zu steigern.
Trotzdem: Viele kleine Handwerksbetriebe kämpfen mit engen Margen und fehlender Planungskapazität, eine echte Entlastung ist oft nur schrittweise möglich.
Fazit:
Der Druck ist real und belastet die Balance massiv. Gleichzeitig wird das Thema aber zunehmend als Wettbewerbsfaktor erkannt: Wer als Handwerksbetrieb gute Work-Life-Balance bietet, und zwar real, nicht nur auf dem Papier, hat deutlich bessere Chancen, Fachkräfte zu halten und zu gewinnen.
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