Hier die wichtigsten Gründe, warum eine Vergleichbarkeit meist nur bedingt möglich ist:
1. Stark unterschiedliche Betriebsgrößen und Strukturen
- Viele Handwerksbetriebe sind Kleinst- oder Kleinbetriebe (oft < 5–10 Mitarbeiter), andere entwickeln sich zu mittelgroßen oder sogar großen Unternehmen („Großhandwerk“).
- In manchen Regionen (z. B. Baden-Württemberg) sind Handwerksbetriebe durchschnittlich deutlich größer und produktiver als im Bundesdurchschnitt – oft durch Zuliefer- und Investitionsgüter-Handwerk.
- Polarisierung: Kleinst- und Großbetriebe wachsen, mittlere Betriebe schrumpfen → Vergleiche innerhalb einer Größenklasse sind oft sinnvoller als branchenweite Durchschnitte.
2. Unterschiedliche Leistungsprogramme und Spezialisierungsgrade
- Ein Malerbetrieb macht z. B. fast nur Neubau, ein anderer fast nur Sanierung/denkmalgeschützte Objekte, ein dritter nur Tapezierarbeiten + Dekoration.
- Ein Tischler kann Massivholzmöbel, Küchen, Innenausbau, Treppen oder nur Fenster/Türen machen → unterschiedliche Materialkosten, Stundenverrechnungssätze und Produktivitäten.
3. Regionale Unterschiede (Standortfaktoren)
- Lohnniveau, Stundenverrechnungssätze, Materialpreise und Wettbewerbsintensität variieren stark (Stadt vs. Land, Ost vs. West, Süddeutschland vs. Norddeutschland).
- In Ballungsräumen oft höhere Preise, aber auch höhere Kosten → Umsatz je Mitarbeiter kann dadurch stark abweichen.
4. Unterschiedliche Produktionstiefe und Fertigungstiefe
- Manche Betriebe fertigen fast alles selbst → hohe Personalkosten, aber hohe Wertschöpfung.
- Andere lagern viel aus (z. B. Lackieren, Polstern, CNC-Fräsen) → niedrigere Lohnquote, aber höhere Fremdleistungen.
5. Verschiedene Kunden- und Auftragsstrukturen
- Privatkunden vs. Gewerbekunden vs. öffentliche Auftraggeber → unterschiedliche Zahlungsmoral, Ausschreibungsaufwand, Gewährleistungsrisiken.
- Hoher Anteil an wiederkehrenden Kunden vs. Einmalaufträge.
6. Statistisch-methodische Probleme
- Die Abgrenzung „Handwerk“ (Anlage A vs. B1/B2 HwO) ist teilweise willkürlich und ändert sich durch Novellierungen.
- Viele Statistiken (z. B. Handwerkszählung, vierteljährliche Berichterstattung) haben nur eingeschränkte Vergleichbarkeit über die Zeit oder zwischen Regionen.
- Internationale Vergleiche sind fast unmöglich, weil es in fast keinem anderen Land eine vergleichbare formale Handwerksdefinition gibt.
Wann ist Vergleichbarkeit trotzdem halbwegs möglich?
- Innerhalb enger Branchengruppen (z. B. nur SHK-Anlagenbau, nur Maler-Ausbau)
- Innerhalb gleicher Größenklassen (z. B. 6–15 Mitarbeiter)
- Innerhalb derselben Region
- Bei standardisierten Kennzahlen (z. B. Lohnquote, Materialquote, Rohertrag je Mitarbeiter, Umsatz je Monteur), die von Betriebsvergleichsringen der Handwerkskammern oder Fachverbänden erhoben werden.
Fazit:
Ein pauschaler Vergleich „Durchschnitt Handwerk XY-Branche“ ist fast immer irreführend. Sinnvolle Betriebsvergleiche erfordern eine sehr enge Eingrenzung der Vergleichsgruppe, sonst sind die Ergebnisse nur bedingt aussagekräftig. Genau das ist auch der Grund, warum viele Handwerksverbände und Kammern ihre Betriebsvergleichsdaten immer stärker segmentieren und individualisieren müssen.
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