Darum führt Improvisation so oft zu Nachträgen:
Fehlende oder unvollständige Planung / Leistungsbeschreibung
Viele Baustellen (vor allem im privaten Wohnungsbau und bei Sanierungen) starten mit sehr groben Plänen oder gar keinem detaillierten Leistungsverzeichnis. Der Handwerker improvisiert vor Ort,
weil:
· Bestandsituation anders ist als erwartet (verdeckte Schäden, alte Leitungen, abweichende Höhen/Koordinaten)
· Anschlüsse / Übergänge zu anderen Gewerken nicht geklärt sind
· Der Bauherr spontan andere Wünsche äußert ("Können Sie nicht doch ...?") → Das, was improvisiert wird, weicht vom (oft vagen) Vertrag ab → Nachtrag entsteht.
Improvisation wird erst im Nachhinein zum Nachtrag
Viele Kollegen bauen erstmal drauflos ("muss ja irgendwie passen"), dokumentieren die Abweichung aber nicht zeitnah. Später wird dann versucht, die Mehrleistung als Nachtrag abzurechnen, oft ohne
ausreichende Ankündigung / Belege → Streit mit dem Bauherrn oder Verweigerung der Bezahlung.
Typische Impro-Kettenreaktion auf der Baustelle:
· Fliesenleger improvisiert wegen unebenem Estrich → höherer Materialverbrauch + mehr Arbeitszeit
· Elektriker verlegt Leitungen anders, weil Sanitär improvisiert hat → Mehrkosten bei Trockenbau / Maler
· Heizungsbauer passt Rohrführung spontan an → späterer Nachtrag beim Estrichleger / Fliesenleger → Eine Improvisation zieht oft mehrere weitere nach sich.
Häufigste reale Nachtrags-Ursachen im Handwerk:
· Geänderte / unklare Bauherrenwünsche
· Verdeckte Bestandssituation
· Mangelhafte / verspätete Pläne
· Koordinationsmängel zwischen Gewerken
· Eigene Planungs-/Ausführungsfehler
Was gegen diesen Teufelskreis hilft:
· Vorab klare Leistungsbeschreibung (auch bei Kleinprojekten!) → je detaillierter, desto weniger Impro-Spielraum
· Bedenken-/Mehrkosten-Ankündigung sofort schriftlich (am besten per E-Mail oder Baustellen-App) – VOB/B § 2 verlangt das explizit
· Foto-Dokumentation jeder relevanten Abweichung + kurze Notiz (Datum, Uhrzeit, wer anwesend war)
· Nachtragsangebot vor Ausführung der Zusatzleistung (auch wenn es nur eine kurze E-Mail ist)
· Digitale Baustellen-Tools (z. B. mit integriertem Nachtragsmodul) reduzieren den Impro-Anteil deutlich
· Bei Sanierungen: vorvertragliche Bestandsaufnahme mit Fotos und Pauschalregelung für typische Risiken
Fazit:
Improvisation an sich ist keine Schande, sie zeichnet gutes Handwerk oft aus. Aber undokumentierte Improvisation ist der teuerste Fehler, den man auf der Baustelle machen kann. Sie führt fast zwangsläufig zu Streit-Nachträgen oder zu kostenlosen "Goodwill"-Leistungen.
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