Profitable Ergebnisse in Handwerksfirmen resultieren aus kalkulatorischer Sicherheit

Handwerksbetriebe, vor allem kleine und mittlere, arbeiten in einem Umfeld mit

 

  • sehr hohen fixen Kostenanteilen (Löhne, Sozialabgaben, Fahrzeuge, Werkstatt, Versicherungen, Meistergehälter etc.)
  • relativ geringen Deckungsbeiträgen pro Stunde/Leistung im Vergleich zu Industrie oder Dienstleistungssektor
  • hoher Abhängigkeit von wenigen Großaufträgen oder saisonalen Schwankungen
  • starkem Preisdruck durch Mitbewerber, Baumärkte, Generalunternehmer und Online-Plattformen
  • vielen nicht planbaren Risiken (Nachträge, die nicht bezahlt werden, Materialpreissprünge, Wetter, Krankheit von Monteuren, Reklamationen)

Wenn die Vorkalkulation zum Angebotspreis systematisch zu niedrig ist, reicht oft schon ein mittelgroßes Jahr mit 2–3 Problembaustellen, um den gesamten Jahresgewinn aufzufressen oder sogar Verluste zu machen.

 

Kalkulatorische Sicherheit bedeutet in diesem Kontext konkret:

 

  1. Realistische Kostenerfassung
  • Echter Stundensatz (nicht nur Lohn + 100 %, sondern inkl. aller Gemeinkosten + kalkulatorischer Unternehmerlohn + Wagnis + Gewinnziel)
  1. Konsequente Trennung aller Positionen
  • Einzelkosten (Material, Fremdleistung)
  • Gemeinkosten (richtig verteilt)
  • Wagnis- & Gewinnzuschlag (meist 10–25 % je nach Risiko & Branche)
  1. Risikozuschläge bewusst einplanen
  • Bei Altbausanierungen, schwierigen Kunden, engen Zeitfenstern etc. deutlich höher
  1. Nachkalkulation als Pflichtprogramm
  • Jeder größere Auftrag wird hinterher analysiert → Abweichungen werden sichtbar → Vorkalkulation wird laufend schärfer
  1. Mindest-Deckungsbeitrag-Regel pro Stunde/Mitarbeiter
  • Viele erfolgreiche Meisterbetriebe fahren heute mit internen Zielvorgaben von 55–75 € DB II pro Monteurstunde (je nach Gewerk und Region 2025/26).

Typische Folgen mangelnder kalkulatorischer Sicherheit:

 

  • Dauerhaft zu niedrige Preise → hohe Auslastung, aber am Jahresende rotes Ergebnis
  • Permanenter Preisdruck nach unten → Abwärtsspirale
  • Keine Reserven für Investitionen, Krankheit, Digitalisierung, Altersvorsorge
  • Hohe Abhängigkeit von einzelnen Großkunden oder Subunternehmerketten

Was erfolgreiche Handwerksbetriebe anders machen:

 

  • Sie kalkulieren nicht nach Gefühl oder was der Markt gerade zulässt
  • Sie haben klare interne Verrechnungssätze und halten diese ein
  • Sie lehnen schlecht kalkulierte bzw. zu billige Aufträge konsequent ab
  • Sie bauen kalkulatorische Puffer ein (Risiko, Gewinn, Reserve für Investitionen)
  • Sie nutzen moderne Kalkulationssoftware, die automatisch Gemeinkosten, Lohnsteigerungen und Materialpreisänderungen berücksichtigt

Fazit:


Im Handwerk verdient man nicht in erster Linie durch mehr Umsatz oder mehr Mitarbeiter. Man verdient durch bessere Kalkulation und den Mut, diese auch durchzusetzen. Wer das verstanden hat und konsequent umsetzt, erreicht meist deutlich höhere Eigenkapitalrentabilität und Resilienz als der Durchschnitt der Branche.

 

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