Just-in-Time-Logistik führt zur Minimierung von Überbeständen in Handwerksbetrieben

Wichtige Vorteile für Handwerksbetriebe:

 

Minimierung von Überbeständen:

 

Weniger oder gar kein teures Material liegt ungenutzt herum (keine „tote“ Ware, kein Risiko von Veralterung, Verderb, Schwund oder Mode-/Preisverfall bei z. B. Sanitärartikeln, Farben, Holzsorten).

 

Deutliche Senkung der Lagerkosten:

 

Weniger Lagerfläche nötig, oft reicht ein kleiner Materialpuffer, geringere Kapitalbindung, weniger Versicherung, weniger Aufwand für Lagerorganisation und Inventur.

 

Verbesserter Cashflow:

 

Geld ist nicht monatelang in ungenutzten Beständen gebunden → mehr Liquidität für Löhne, Fahrzeuge, Werkzeuge oder Investitionen.

 

Weniger Platzbedarf:

 

Viele Handwerksbetriebe kämpfen mit engen Höfen und Hallen, JIT entlastet hier spürbar.

 

Typische Umsetzungsformen im Handwerk:

 

  • Baustellen-JIT: Material wird taggleich oder 1–2 Tage vorher direkt zur Baustelle geliefert (z. B. Sanitärgroßhandel, Elektrogroßhandel, Holzhandel mit Lieferservice).
  • Rahmenverträge + Abruf mit ausgewählten Lieferanten (z. B. fest vereinbarte Tagespreise + garantierte Lieferzeit von 4–24 h).
  • Digitale Bedarfsplanung über Handwerker-ERP / AVA-Systeme → automatisierte Bestellanforderungen an Lieferanten.
  • Kombination mit kleinem Sicherheitsbestand für die kritischen C-Artikel (Schrauben, Dübel, Dichtungen).

Wichtige Nachteile & Risiken, gerade im Handwerk besonders relevant:

 

  • Hohe Abhängigkeit vom Lieferanten: Wenn der Großhandel einmal nicht liefert (LKW defekt, Lagerbrand, Streik, Baustoffknappheit wie 2021–2023), steht der gesamte Auftrag still.
  • Wenig Puffer bei Unvorhergesehenem: Typische Handwerks-Situationen (Kunde ändert kurzfristig den Auftrag, Maurer reißt mehr raus als geplant, versteckte Schäden) führen schnell zu Fehlmengen.
  • Höhere Transport- & Lieferkosten pro Einheit: Viele kleine Lieferungen statt großer Mengen → oft teurer pro Palette.
  • Planungs- und Kommunikationsaufwand steigt deutlich: tägliche Abstimmung mit mehreren Gewerken und Lieferanten erforderlich.

Nicht für alle Gewerke gleich gut geeignet:

 

·       Sehr gut: Fliesenleger, Trockenbauer, Maler, SHK (bei guter Kooperation mit Großhandel)

·       Mittel: Elektriker, Metallbauer

·       Schwierig: Zimmerer, Dachdecker (lange Vorlaufzeiten bei Sonderanfertigungen), Restaurateure

 

Einschätzung für Handwerksbetriebe:

 

Just-in-Time-Logistik führt in der Praxis sehr häufig zu einer signifikanten Reduzierung von Überbeständen, besonders bei Betrieben, die

 

  • enge Partnerschaften mit 2–4 zuverlässigen Großhändlern pflegen,
  • gute digitale Auftrags- und Bedarfsplanung betreiben,
  • vorwiegend Standardmaterialien verbauen und
  • keine variantenreichen oder sehr langfristigen Sonderanfertigungen haben.

Vollständige Lagerlosigkeit (wie bei Toyota) ist im Handwerk aber nicht realistisch. Die meisten erfolgreichen Handwerksbetriebe praktizieren heute eine hybride Form:
JIT für 70–85 % des Materials + kleiner, gezielter Sicherheits- und Kommissionierungspuffer für die kritischsten Positionen.

 

Fazit:


Die Aussage ist grundsätzlich richtig und ökonomisch sehr attraktiv, aber sie funktioniert nur mit sehr guter Planung, starken Lieferantenbeziehungen und etwas Pufferdenken. Ohne diese Voraussetzungen kann JIT schnell vom Kostensenker zum Produktionskiller werden.

 

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