Aktuelle Lage (Stand März 2026):
- Dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zufolge fehlen im Handwerk schätzungsweise rund 200.000 Fachkräfte. Ende 2025 waren bei der Bundesagentur für Arbeit etwa 119.500 Stellen gemeldet. Die reale Lücke liegt höher, weil viele Betriebe gar nicht mehr alle offenen Positionen melden.
- Besonders betroffen sind Branchen wie Bauelektrik, SHK (Sanitär, Heizung, Klima), Kfz-Technik und das Bauhauptgewerbe.
- Gleichzeitig bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt: Im Handwerk waren zuletzt etwa 16.000–19.000 betriebliche Ausbildungsstellen (ca. 15–18 %) leer, trotz guter Verdienstmöglichkeiten und Jobsicherheit.
Darum führt das zu Betriebsschließungen:
Altersbedingte Abgänge + fehlende Nachfolger
Viele Inhaber erreichen das Rentenalter. In den nächsten 5–10 Jahren stehen bundesweit Zehntausende Betriebe vor der Übergabe. Laut Studien planen mehr Betriebe eine Schließung als eine
erfolgreiche Übergabe, weil sich kein Nachfolger findet. Schätzungen gehen von 50.000–60.000 mittelständischen Handwerksbetrieben aus, die in den nächsten Jahren gefährdet sind.
Kapazitätsgrenzen durch Personalmangel
Viele Betriebe müssen Aufträge ablehnen, weil einfach niemand da ist, der die Arbeit erledigen kann. Das führt zu sinkenden Umsätzen, geringerer Rentabilität und letztlich zur Aufgabe, besonders
bei kleinen Betrieben (bis 4–10 Mitarbeiter).
Weitere verstärkende Faktoren
· Hohe Kosten (Energie, Material, Sozialabgaben, Bürokratie)
· Schwache Baukonjunktur und Auftragsflaute
·
Insolvenzen auf 10-Jahres-Hoch (2025: ca. 4.950 Insolvenzen im Handwerk, +13 %)
→ Der ZDH erwartet für 2026 zwar leichtes Umsatzwachstum (+1 %), aber einen Beschäftigungsabbau um ca. 60.000 Personen, teils durch Renteneintritte, teils durch Betriebsaufgaben.
Nachwuchs- und Fachkräftemangel ist kein alleiniger, aber ein sehr starker Treiber für Betriebsschließungen, vor allem in Kombination mit demografischem Wandel und der wirtschaftlichen Schwächephase.
Fazit:
Viele Handwerksverbände und Kammern versuchen gegenzusteuern: bessere Imagekampagnen für Ausbildungsberufe, mehr Wertschätzung der dualen Ausbildung, Digitalisierung zur Entlastung, gezielte Ansprache von Quereinsteigern und Frauen. Trotzdem bleibt die Situation vielerorts dramatisch, besonders im ländlichen Raum droht der Verlust ganzer Versorgungsstrukturen (Bäcker, Friseure, Elektriker vor Ort etc.).
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