Aktuelle Lage:
Dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zufolge fehlen bundesweit geschätzt rund 200.000 Fachkräfte. Bei der Bundesagentur für Arbeit waren Ende 2025 etwa 119.500 offene Stellen gemeldet – die echte Lücke ist größer, weil viele Betriebe gar nicht erst melden.
In Umfragen berichten rund 23–32 % der Betriebe, dass der Mangel ihre Entwicklung massiv hemmt; weitere 32 % könnten mehr Aufträge annehmen, wenn sie Personal hätten. Nur bei etwa 45 % sind alle Stellen besetzt.
Besonders betroffen: Bauelektrik, Kfz-Technik, Sanitär-Heizung-Klima, Elektroinstallationen und viele Bau- und Ausbaugewerke. Jede zweite offene Stelle im Handwerk bleibt rechnerisch unbesetzt.
Gleichzeitig bleiben jährlich noch immer rund 16.000–20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, trotz guter Verdienstmöglichkeiten und sicherer Perspektiven.
Der Mangel trifft das Handwerk härter als viele andere Branchen, weil hier praktische, dual ausgebildete Fachkräfte gebraucht werden und der demografische Wandel plus Akademisierungswahn der letzten Jahrzehnte besonders zuschlagen.
Darum ist das so hartnäckig:
- Demografie: Viele erfahrene Kräfte scheiden aus, Nachwuchs fehlt.
- Image und Bildung: Zu viele junge Leute werden Richtung Studium gedrängt, obwohl das Handwerk oft bessere Einstiegschancen, Verdienst und Sinnstiftung bietet.
- Belastungen: Hohe körperliche Anforderungen, unregelmäßige Zeiten, Bürokratie und teilweise noch verbesserungswürdige Arbeitsbedingungen schrecken ab.
- Konjunktur trifft auf Struktur: Selbst in der aktuellen Wirtschaftsschwäche bleibt der Mangel, weil der Bedarf z. B. durch Energiewende, Sanierungen und Infrastruktur hoch ist.
Folgen spüren nicht nur die Betriebe durch abgelehnte Aufträge, Überlastung der Teams oder sinkende Investitionsbereitschaft, sondern auch die Kunden: längere Wartezeiten, höhere Preise oder sogar abgesagte Projekte.
Es gibt kein Patentrezept, aber ein Mix aus mehreren Maßnahmen zeigt Wirkung:
Ausbildung stärken und attraktiver machen:
Mehr Praktika, Schnuppertage, moderne Kampagnen und bessere Vergütung bzw. Übernahmechancen. Quereinsteiger und Umschüler gezielt ansprechen. Viele sehen das als Chance.
Mitarbeiter binden und entwickeln:
Attraktive Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, flexible Modelle, Wertschätzung und digitale Tools, die Arbeit erleichtern wie z. B. Planungssoftware, Apps für Zeiterfassung können den Unterschied
machen. Viele würden sogar etwas weniger Gehalt für bessere Work-Life-Balance und moderne Ausstattung akzeptieren.
Produktivität steigern
Digitalisierung, Standardisierung von Prozessen und bessere Arbeitsorganisation – so kann ein kleineres Team mehr leisten.
Zuwanderung und Anerkennung ausländischer Qualifikationen:
Als Baustein, nicht als alleinige Lösung. Schnellere Verfahren und gezielte Anwerbung aus Drittstaaten können helfen, besonders in Engpassberufen.
Politische Flankierung:
Weniger Bürokratie, faire Steuer- und Abgabenlast, Unterstützung bei Betriebsübergaben und Aufwertung der dualen Ausbildung statt reiner Akademiker-Fokussierung.
Viele Betriebe, die aktiv werden mit einer starker Ausbildungskultur, modernem Auftreten in Social Media und fairer Führung haben deutlich weniger Probleme bei der Personalgewinnung. Das Handwerk bietet nach wie vor großartige Chancen: sichere Jobs, handfeste Ergebnisse, gute Verdienste und oft die Möglichkeit, selbst Chef zu werden.
Fazit:
Der Fachkräftemangel ist ein zäher Gegner, aber nicht unbesiegbar. Er zwingt die Branche zum Umdenken, und das kann langfristig auch zu einem stärkeren, attraktiveren Handwerk führen.
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