Ein typischer Stundenverrechnungssatz setzt sich ungefähr so zusammen:
- Ca. 25–35 %: Bruttolohn des Mitarbeiters (z. B. Geselle)
- Ca. 15–20 %: Arbeitgeberanteile an Sozialversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsgeld usw.
- Ca. 25–35 %: Betriebliche Gemeinkosten (Büro, Werkstattmiete, Fahrzeuge, Versicherungen, Werkzeuge, Abschreibungen, Verwaltung, Fortbildung)
- Ca. 5–10 %: Kalkulatorischer Unternehmerlohn + Risikoaufschlag (z. B. für unproduktive Zeiten, Gewährleistung, Auftragsrisiken)
- Rest: Gewinnzuschlag (oft nur 5–10 %, damit der Betrieb langfristig überlebt)
Nur etwa ein Drittel des Satzes landet tatsächlich als Lohn beim ausführenden Handwerker. Der Rest sind echte Kosten, die der Betrieb tragen muss, z. B. Leistungen, die kein Kunde bezahlt wie Fahrt, Verwaltung, Materialbeschaffung oder Weiterbildung.
Darum steht ein guter Fachbetrieb dazu:
- Transparenz schafft Vertrauen: Seriöse Betriebe erklären ihre Sätze offen, manche veröffentlichen sie sogar auf der Website. Sie rechnen fair ab, oft sogar unter dem Angebot, wenn weniger Zeit benötigt wurde.
- Qualität hat ihren Preis: Niedrige Preise gehen meist auf Kosten von Ausbildung, modernem Werkzeug, Haftung oder Zuverlässigkeit. Billigangebote führen häufig zu Nachbesserungen oder Ärger.
- Wirtschaftliche Notwendigkeit: Handwerksbetriebe sind personalintensiv. Ohne solide Kalkulation können sie keine Fachkräfte halten, keine Lehrlinge ausbilden und keine Investitionen tätigen. Viele Betriebe kämpfen bereits mit Fachkräftemangel und hohen Fixkosten.
Typische Beispiele aus verschiedenen Gewerken:
- SHK (Heizung/Sanitär): 65–85 €
- Elektriker: 60–90 €
- Maler/Fliesenleger: 55–80 €
- Schreiner/Zimmermann: 60–85 €
- Dachdecker/Maurer: 50–75 € (je nach Spezialisierung)
Dazu kommen oft Anfahrts- bzw. KFZ-Pauschalen und Material, meist zum Listenpreis plus Aufschlag.
Tipps für Handwerkskunden:
- Vergleichen Sie Angebote, aber nicht nur den Stundenpreis, sondern auch die Gesamtsumme, die Qualifikation und die Referenzen.
- Fragen Sie nach einer detaillierten Aufschlüsselung für Arbeitswerte, Material und Pauschalen). Gute Betriebe geben das gerne.
- Achten Sie auf Festpreise oder Pauschalangebote, wenn der Aufwand klar absehbar ist. Das schützt beide Seiten.
Fazit:
Ein Fachbetrieb, der zu seinen Verrechnungssätzen steht, signalisiert Professionalität, Ehrlichkeit und langfristige Verlässlichkeit. Das ist im Handwerk oft mehr wert als der günstigste Preis. Wer fair kalkuliert und transparent kommuniziert, verdient Respekt und meist auch die Treue seiner Kunden.
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