In Handwerksbetrieben ersetzt Vertrauen die fehlende Fachkenntnis auf der Kundenseite

Darum ist Vertrauen so entscheidend:

 

Asymmetrische Information:

 

Der Kunde hat meist keine oder nur sehr oberflächliche Fachkenntnis. Er sieht das Problem wie z.B. die Heizung macht komische Geräusche, der Wasserhahn tropft, der Dachstuhl knarrt, kann aber weder Ursache, den Aufwand noch die richtige Lösung zuverlässig einschätzen.

 

Hohe Komplexität + versteckte Qualität:

 

Viele Arbeiten sind nachher nicht mehr sichtbar wie Kabel im Putz, Rohre in der Wand oder die Dämmung unter dem Dach. Der Kunde muss dem Handwerker vertrauen, dass dieser:

 

·       die richtige Diagnose stellt,

·       nicht die teuerste statt der sinnvollsten Lösung vorschlägt,

·       sauber und fachgerecht arbeitet,

·       keine unnötigen Folgeaufträge erzeugt.

 

Hohe finanzielle und emotionale Einsätze:

 

Es geht oft um mehrere hundert bis viele tausend Euro. Ein Fehler kann teuer werden durch Folgeschäden, Wasserschaden, Brandgefahr oder Wertverlust der Immobilie.

 

Deshalb entscheiden viele Kunden nicht primär nach Preis oder detailliertem Angebot, sondern nach:

 

·       „Der macht einen sympathischen/kompetenten Eindruck.“

·       „Der wurde mir empfohlen.“

·       „Der hat mir alles gut erklärt, ohne mich zu bevormunden.“

·       „Ich habe ein gutes Bauchgefühl.“

 

Die Schattenseiten dieses Prinzips - leider wird diese Vertrauenslücke auch ausgenutzt:

 

·       Angstverkauf und übertriebene Problemdarstellung.

·       Überteuerte Premium-Lösungen, wo eine günstigere gleichwertige reicht.

·       Teilweise unnötige Arbeiten oder Mitnehmen von Zusatzaufträgen.

·       Pfusch, der erst Jahre später auffällt.

 

Gute Handwerker leiden darunter, weil seriöse, transparente Angebote oft gegen billigere oder charmantere, aber weniger gewissenhafte Kollegen antreten müssen.

 

Was das für beide Seiten bedeutet

 

Für Kunden:

 

·       Vertrauen ist wichtig, aber blindes Vertrauen ist gefährlich.

·       Bessere Strategie: Referenzen einholen, mehrere Angebote vergleichen, auch wenn man sie nicht 100 % verstehen kann. Nachfragen, warum genau diese Lösung. Garantie und Nachsorge klären, bei größeren Aufträgen ggf. einen unabhängigen Gutachter oder Baubegleiter hinzuziehen.

 

Für Handwerker:

 

·       Wer Vertrauen aufbaut und rechtfertigt, hat einen riesigen Wettbewerbsvorteil. Stammkunden, Weiterempfehlungen und weniger Preiskämpfe sind die Belohnung.

·       Transparenz, klare Kommunikation, ehrliche Beratung (auch wenn man mal einen kleineren Auftrag ablehnt oder nur repariert statt austauscht) zahlt sich langfristig massiv aus.

·       Schlechte Handwerker leben vom kurzfristigen Vertrauensmissbrauch – gute vom nachhaltigen Aufbau von Reputation.

 

Fazit:


Dein Satz beschreibt die Realität perfekt. Im Handwerk ist Vertrauen das eigentliche Produkt, das der Kunde zuerst kauft. Die fachliche Leistung kommt danach. Wer das als Handwerker versteht und lebt, hat gute Karten. Wer es als Kunde vergisst, zahlt oft drauf.

 

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