Solange Fachkräfte fehlen, wird sich in Handwerksfirmen nichts ändern

Aktuelle Lage im Handwerk:

 

Aktuell fehlen im deutschen Handwerk geschätzt rund 200.000 Fachkräfte (ZDH-Schätzung). Bei der Bundesagentur für Arbeit waren Ende 2025 etwa 120.000 offene Stellen gemeldet; viele Betriebe melden gar nicht erst, weil sie resigniert haben.

 

 

Trotz konjunktureller Schwäche, viele Betriebe erwarten 2026 sinkende Beschäftigung um ca. 60.000 Personen, vor allem durch Renteneintritte, bleibt der Engpass hoch. Besonders betroffen: Bau, SHK, Elektro und Metall. Jährlich bleiben rund 19.000–20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, obwohl die Zahl neuer Ausbildungsverträge 2025 leicht gestiegen ist (ca. 135.500). Der Lehrlingsbestand liegt bei etwa 342.000.

 

 

Ursachen sind klassisch:

 

  • Demografie: Viele Meister und Gesellen gehen in Rente, zu wenige junge Menschen rücken nach.
  • Bildungswahl: Hohe Studierneigung durch Akademikerwahn und Imageprobleme beim Handwerk.
  • Abwanderung: Ausgebildete wechseln in andere Branchen oder Bereiche mit besseren Konditionen.
  • Zusätzlich: Bürokratie, hohe Belastung und teilweise unattraktive Arbeitszeiten/Bedingungen.

Folgen:

 

Viele Betriebe müssen Aufträge ablehnen, Investitionen zurückstellen und kämpfen mit Nachfolgeproblemen. Ca. 125.000 Betriebe suchen in den nächsten Jahren einen Nachfolger. Ohne ausreichend Personal bleiben viele Innovationen auf der Strecke. Kleine Betriebe mit 1–4 Mitarbeitern geben auf, weil der Chef keine Entlastung findet.

 

Gleichzeitig erzwingt der Mangel Veränderungen

 

Digitalisierung und Automatisierung:

 

Viele Betriebe setzen auf Software für Auftragsabwicklung, Planung oder Verwaltung, um die vorhandenen Kräfte produktiver zu machen. Roboter übernehmen Routinearbeiten wie z. B. Schleifen, Streichen, Fräsen, und entlasten bei körperlich schweren Tätigkeiten. Das steigert die Effizienz und macht den Beruf für Jüngere attraktiver.

 

Produktivitätssteigerung:

 

Bessere Prozesse, Standardisierung und Tool-Einsatz sollen mit weniger mehr leisten.

 

Attraktivitätsmaßnahmen:

 

Höhere Löhne in manchen Gewerken, bessere Work-Life-Balance-Versuche, Kampagnen für Quereinsteiger: 7 % der Befragten denken laut Studien über Umschulung ins Handwerk nach und mehr Fokus auf Frauen als Zielgruppe.

 

Zuwanderung:

 

Gezielte Anwerbung qualifizierter Handwerker aus dem Ausland.

 

Trotzdem:

 

Diese Veränderungen laufen zu langsam. Viele Betriebe sind im Krisenmodus und investieren zunehmend vorsichtiger. Die große Transformation wie z. B. Energiewende, Dekarbonisierung im Bau, braucht genau die fehlenden Fachkräfte.

 

Der Mangel allein löst sich nicht von selbst. Nötig wären:

 

  • Stärkere Wertschätzung der dualen Ausbildung.
  • Weniger Bürokratie, die Zeit und Nerven frisst.
  • Bessere Rahmenbedingungen für ältere Beschäftigte.
  • Konsequente Förderung von Quereinsteigern und Umschulungen.
  • Mehr Anreize, dass junge Menschen das Handwerk als attraktive, gut bezahlte und zukunftssichere Option sehen und nicht als Plan B.

Fazit:

 

Solange der Fachkräftemangel anhält, wird sich vieles nur mühsam oder gar nicht ändern, vor allem in kleinen Betrieben. Aber der Druck führt bereits zu partiellen Anpassungen bei Digitalisierung und Arbeitsorganisation. Ohne strukturelle Reformen (Ausbildung, Image, Rahmenbedingungen) bleibt das Handwerk jedoch ein Engpass-Sektor, der die gesamte Wirtschaft bremst.

 

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