Darum entstehen so häufig Streitigkeiten:
Unklare oder fehlende Vereinbarungen im Voraus:
Viele Aufträge starten ohne detaillierten Kostenvoranschlag oder klare Absprache zur Abrechnungsart. Später wird dann über die Anzahl der Stunden, Stundensätze oder Zusatzkosten wie z. B. Fahrtzeiten oder Material diskutiert.
Aufgerundete Zeiten:
Ein beliebter Kritikpunkt ist das Aufrunden auf volle Stunden oder Viertelstunden, obwohl nur z. B. 20 Minuten gearbeitet wurde. Solche Klauseln in AGB können unzulässig sein, wenn sie den Kunden unangemessen benachteiligen. Gerichte sehen oft nur kleine Toleranzen wie z. B. maximal ca. 10 Minuten auf Viertelstunden als akzeptabel an. Alles darüber ist angreifbar.
Nicht nachvollziehbare Stundenzettel:
Der Handwerker muss die geleisteten Stunden zeitnah dokumentieren wie z. B. werktäglich oder wöchentlich bei VOB/B-Verträgen. Der Kunde sollte diese prüfen und ggf. abzeichnen oder Einwände erheben. Fehlt Transparenz, also wer hat wie lange was gemacht, eskaliert es schnell.
Zusatzkosten wie Fahrtzeiten oder mehrere Mitarbeiter:
Bei kurzen Einsätzen dürfen Anfahrtskosten oft gesondert berechnet werden, bei längeren Projekten nicht immer. Auch der Einsatz von Azubis oder mehreren Kräften ohne Absprache führt zu Konflikten.
Abweichungen vom Angebot:
Bei Pauschalpreisen dürfen keine separaten Stunden abgerechnet werden. Bei Stundenlohn muss der Aufwand angemessen und nachweisbar sein.
Rechtlich gilt in Deutschland meist das BGB (Werkvertrag), bei Bauarbeiten oft zusätzlich die VOB/B (§ 15 regelt Stundenlohnarbeiten detailliert: Anzeigepflicht vor Beginn, zeitnahe Stundenzettel, etc.). Ohne explizite Vereinbarung orientieren sich Gerichte am Ortsüblichen.
So können sich Kunden schützen und Handwerker Streit vermeiden:
Vor dem Auftrag:
- Immer einen schriftlichen Kostenvoranschlag verlangen (bindend bis ca. 10–20 % Abweichung, höhere müssen begründet werden).
- Klar vereinbaren: Pauschale oder Stundenlohn. Welche Stundensätze wie z. B. Meister oder Geselle berechnet werden, welcher Abrechnungstakt wie z. B. 6-Minuten-Takt üblich und fairer ist.
- Auftrag schriftlich festhalten, inklusive was genau gemacht werden soll.
Während der Arbeiten:
- Stundenzettel vor Ort prüfen und nicht blind unterschreiben.
- Bei Zweifeln: Anwesenheit dokumentieren oder Fotos machen.
Bei der Rechnung:
- Punkt für Punkt prüfen: Sind Zeiten realistisch? Materialpreise nachvollziehbar? Fahrtkosten separat gerechtfertigt?
- Beanstandungen schriftlich mitteilen und ggf. einen Teil der Summe zurückhalten (z. B. so lange, bis Mängel behoben oder Streit geklärt sind).
- Bei groben Abweichungen: Nicht die volle Summe zahlen, sondern nur den unstrittigen Teil.
Was tun bei Streit?
- Direkte, sachliche Nachfrage beim Betrieb (oft löst sich viel im Gespräch).
- Verbraucherzentrale kontaktieren. Die haben viel Erfahrung mit solchen Fällen und bieten oft günstige Beratung.
- Schlichtungsstelle der zuständigen Handwerkskammer einschalten, kostenlos oder günstig, außergerichtlich, hohe Erfolgsquote.
- Bei Bedarf: Anwalt oder Sachverständigen (z. B. über die Kammer) hinzuziehen. Gerichte prüfen dann oft, ob der Aufwand erforderlich war.
Fazit:
Viele Streitigkeiten entstehen aus Missverständnissen und könnten durch mehr Transparenz von Anfang an vermieden werden. Seriöse Handwerksbetriebe haben meist kein Problem mit klaren Absprachen, und gute Kunden schätzen das auch.
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