Aktuelle Zahlen 2026:
Gesamte Fachkräftelücke im Handwerk: Geschätzt 200.000–250.000 fehlende Fachkräfte, je nach Quelle inkl. unbesetzter Stellen und Nachfolgeprobleme.
- Ausbildungsplätze: Rund 16.000–19.000 Lehrstellen bleiben jährlich unbesetzt = jeder neunte bis achte Platz. 2024 gab es ca. 135.000 neue Ausbildungsverträge im Handwerk, stabil, aber mit hohem Leerstand.
Besonders stark betroffene Bereiche: Das Baugewerbe in den Bereichen Bauelektrik, Sanitär, Heizung, Klima, Kfz-Technik, Metall- und Elektrohandwerk. In der Bauwirtschaft berichten bis zu 62 % der Betriebe von Besetzungsproblemen.
Folgen:
Viele kleine Betriebe mit bis zu 4 Mitarbeitern geben auf, weil sie keine Nachfolger finden. Es drohen rund 125.000 ausstehende Betriebsnachfolgen in den nächsten Jahren. Zudem sinkt die Beschäftigung im Handwerk trotz guter Auftragslage teilweise durch Renteneintritte. Trotz einer schwächeren Konjunktur bleibt der Mangel strukturell bestehen und die Demografie verschärft ihn weiter.
Hauptursachen:
Demografischer Wandel:
Viele erfahrene Handwerker aus der Babyboomer-Generation gehen in Rente, während zu wenige junge Menschen nachrücken. Die drei großen D wie Demografie, Digitalisierung und Dekarbonisierung erhöhen gleichzeitig den Bedarf z. B. bei Energiewende und Gebäudesanierung.
Image und Bildungstrend:
Viele Jugendliche streben eher ein Studium an als eine duale Ausbildung. Handwerksberufe gelten bei manchen als weniger prestigeträchtig, obwohl sie gute Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen bieten.
Unbesetzte Ausbildungsplätze:
Angebot und Nachfrage passen regional und beruflich nicht zusammen. Viele Plätze in klassischen Handwerksberufen wie z. B. Klempner, Fleischer oder Betonbauer bleiben leer.
Weitere Faktoren:
Hohe Belastung, Bürokratie, Steuern/Abgaben und teilweise mangelnde Attraktivität von Arbeitsbedingungen, z. B. Vereinbarkeit mit Familie.
Mögliche Lösungsansätze, an denen viele Betriebe arbeiten:
Ausbildung stärken:
Bessere Berufsorientierung in Schulen, Praktika, Imagekampagnen und finanzielle Anreize für Azubis und Betriebe. Mehr Fokus auf duale Ausbildung als gleichwertig zum Studium.
Bindung und Weiterbildung:
Ältere Mitarbeiter länger halten z. B. durch flexible Modelle, Steuervorteile oder Teilzeit. Gezielt Weiterqualifizierung durch z. B. Meisterkurse, Digital- und E-Mobilitätskompetenzen.
Attraktivität steigern:
Bessere Arbeitsbedingungen durch flexible Arbeitszeiten, Benefits, moderne Technik, höhere Löhne wo möglich und gezielte Ansprache von Frauen, die in manchen Handwerksberufen noch unterrepräsentiert sind.
Zuwanderung und Anerkennung ausländischer Qualifikationen:
Fachkräfte aus dem Ausland gezielter anwerben und einarbeiten.
Produktivität erhöhen:
Digitalisierung z. B. durch Software für Auftragsplanung, BIM im Bau, Standardisierung und effizientere Prozesse, um mit weniger Personal mehr zu leisten.
Politische Ebene:
Weniger Bürokratie, steuerliche Entlastungen für Betriebsübergaben und stärkere Förderung der beruflichen Bildung.
Fazit:
Viele Kleinbetriebe spüren den Druck besonders stark und sind im Krisenmodus. Sie erwarten 2026/2027 keine große Entspannung. Gleichzeitig hat das Handwerk hohe gesellschaftliche Wertschätzung, und Kunden beklagen oft lange Wartezeiten oder hohe Preise genau wegen dieses Mangels.
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