Mögliche Nachwuchskräfte streben eher ein Studium an als eine Handwerkerausbildung

Hintergründe und aktuelle Entwicklungen

 

Seit den 2000er Jahren hat die Bildungsexpansion zu einer starken Zunahme der Studierneigung geführt. Die Studienanfängerquote stieg von etwa 26 % auf über 46 % um 2011, und es gibt inzwischen deutlich mehr Studierende als Auszubildende. Auf 10 Studierende kamen 2021 nur noch 4,3 Auszubildende. Das ist ein dramatischer Wandel gegenüber früheren Jahrzehnten.

 

 

Das Handwerk, das traditionell stark auf Absolventen von Haupt- und Realschulen setzt, leidet besonders darunter:

 

  • Die Zahl der Hauptschulabgänger ist stark zurückgegangen.
  • Abiturienten streben häufiger direkt ein Studium an.
  • Viele Jugendliche assoziieren mit einem Studium höheres Prestige, bessere Karrierechancen und gesellschaftliche Anerkennung, während Handwerksberufe oft mit körperlicher Anstrengung, geringerem Einkommen oder veralteten Images verknüpft werden.

 

Im Berufsbildungsbericht 2025 blieb die Zahl der Ausbildungsanfänger im dualen System (BBiG/HwO) leicht rückläufig, während der Hochschulbereich leicht zulegte. Im Handwerk gibt es weiterhin Tausende unbesetzter Ausbildungsplätze (rund 16.000–19.000 gemeldet in den letzten Jahren), und der geschätzte Fachkräftebedarf liegt bei bis zu 200.000 offenen Stellen.

 

 

Darum bevorzugen viele ein Studium:

 

Image und gesellschaftliche Wertschätzung

 

Ein Studium gilt als höherwertig, Handwerk als praktisch, aber weniger angesehen. Viele Jugendliche, besonders Abiturienten, haben veraltete Vorstellungen von Handwerksberufen und unterschätzen moderne Aspekte wie Digitalisierung, Technik und Nachhaltigkeit durch z. B. Energiewende und Smart Home.

 

Elterneinfluss

 

In akademisch geprägten Familien oder bei hohem Schulabschluss wird oft zum Studium geraten.

 

Wahrgenommene Karrierechancen

 

Ein Studium wird mit besserem Einkommen und Aufstieg assoziiert, obwohl das in der Realität differenzierter ist. Dau kommt weniger körperliche Arbeit. Viele wollen Bürojobs oder saubere Tätigkeiten.

 

Trotzdem gibt es positive Gegentrends:

 

  • Der Anteil von Abiturienten in dualen Ausbildungen steigt von ca. 35 % auf fast 50 % in manchen Jahren.
  • Einige Studien zeigen, dass Jugendliche Handwerk als sinnstiftend und krisensicher wahrnehmen, vor allem, wenn sie echte Einblicke durch Praktika und Tage der offenen Tür bekommen.
  • Löhne im Handwerk sind durch den Mangel gestiegen; als Geselle kann man oft gut verdienen und sich z. B. ein Haus leisten. Viele Handwerksberufe gelten zudem als KI-sicher, vor allem praktische vor-Ort-Tätigkeiten.

 

Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft

 

Der Trend trägt zu einem strukturellen Fachkräftemangel bei, der besonders Bau, SHK (Sanitär-Heizung-Klima), Elektro und andere Handwerksbereiche trifft. Das behindert die Energiewende, den Wohnungsbau und die allgemeine Wirtschaft. Gleichzeitig gibt es hohe Studienabbruchquoten von ca. 28 % im Bachelorbereich, und manche Akademiker landen in Jobs, die nicht ihren Erwartungen entsprechen.

 

Mögliche Wege nach vorn:

 

  • Bessere Berufsorientierung in Schulen mit mehr Praktika, Werkstatt-Tagen, Infos zu modernem Handwerk.  88 % der Befragten in Umfragen wünschen sich das.
  • Imagekampagnen des Handwerks: Zeigen von Technik, Digitalisierung, Selbstständigkeit und guten Verdienstmöglichkeiten.
  • Durchlässigkeit zwischen Ausbildung und Studium durch z. B. duales Studium oder Anrechnung von Ausbildungszeiten.
  • Attraktivere Bedingungen in Betrieben durch gute Vergütung, Work-Life-Balance, Weiterbildung, moderne Arbeitsmittel.
  • Zuwanderung und Quereinsteiger durch z. B. Studienabbrecher oder Akademiker, die umsatteln.

Fazit:

 

Die Präferenz für ein Studium ist real und hat strukturelle Gründe. Sie ist aber nicht unveränderbar. Viele junge Menschen schätzen praktische, sinnvolle Arbeit. Wenn das Handwerk sich besser präsentiert und Betriebe attraktive Bedingungen bieten, kann sich das Blatt wenden. Eine ausgewogene Wertschätzung aller Bildungswege wäre hier hilfreich, wie es auch im Berufsbildungsbericht betont wird.

 

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