Aktuelle Zahlen zum Ausbildungsmarkt im Handwerk:
Im Handwerk blieben 2025 bundesweit rund 16.000 bis 19.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Das entspricht etwa jedem neunten bis achten Platz (ca. 12–18 %).
Für spezifische Berufe wie Fensterbauer gibt es keine bundesweiten Einzeldaten in den großen Statistiken, aber das Glas-, Papier- und keramische Handwerk sowie das Holz- und Bauhandwerk zeigen ähnliche Trends: Viele offene Stellen, wenige Bewerber. In manchen Bundesländern gab es 2025 leichte Zuwächse bei Neuverträgen im Bau- und Ausbaugewerbe, aber nicht genug, um alle Plätze zu füllen.
Gesamter Ausbildungsmarkt:
Es gibt Passungsprobleme. Viele unbesetzte Stellen stehen neben unversorgten Bewerbern (ca. 30.000–40.000 bundesweit), weil regionale, qualifikatorische oder berufliche Vorstellungen nicht zusammenpassen.
Trotz leichter Entspannung durch die schwache Konjunktur bleibt der Nachwuchsmangel strukturell bestehen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) schätzt den gesamten Fachkräftebedarf im Handwerk auf rund 200.000 offene Stellen, nicht nur Ausbildungsplätze, sondern auch Gesellen- und Meisterpositionen. Viele Betriebe melden Stellen gar nicht erst bei der Agentur für Arbeit.
Darum bleiben Plätze leer:
Demografischer Wandel:
Weniger Schulabgänger insgesamt. Viele Babyboomer gehen in Rente, ohne dass genug Nachwuchs nachkommt. In manchen Regionen, besonders in Ostdeutschland, verstärkt durch Abwanderung junger Leute.
Imageproblem des Handwerks:
Viele Jugendliche und deren Eltern sehen Handwerksberufe als schmutzig, körperlich anstrengend, schlecht bezahlt oder wenig zukunftsfähig. Klischees wie „nur für die, die nicht studieren können“ halten sich hartnäckig. In Wirklichkeit bieten viele Berufe moderne Technik wie z. B. smarte Fenster, Energieeffizienz, Digitalisierung mit CNC-Maschinen, gute Verdienstmöglichkeiten nach der Ausbildung und oft die Chance zur Selbstständigkeit/Betriebsübernahme an.
Trend zur Akademisierung:
Immer mehr Jugendliche streben Abitur + Studium an. Der Anteil mit (Fach-)Hochschulreife unter Azubis steigt zwar leicht, aber viele bevorzugen Bürojobs oder Studiengänge mit mehr Homeoffice und weniger körperlicher Arbeit.
Wahrgenommene Arbeitsbedingungen:
Früher Start, körperliche Belastung, Wettereinfluss bei Außenberufen, Schicht- oder Überstunden und teilweise niedrigere Einstiegsgehälter im Vergleich zu manchen kaufmännischen oder IT-Bereichen. Allerdings verdienen Vollzeitkräfte mit abgeschlossener Ausbildung im Schnitt über 4.000 € brutto. Das Handwerk liegt oft etwas darunter, aber mit Zulagen und Meisterprüfung steigt das schnell.
Passungsprobleme:
Manche Bewerber haben Defizite in Basiskompetenzen Rechnen, Lesen und Schreiben, Sprachbarrieren oder fehlende Motivation für den Beruf. Gleichzeitig suchen Betriebe oft den perfekten Kandidaten. Berufe wie Tischler oder bestimmte kreative Gewerke haben übrigens weniger Probleme. Dort ist die Nachfrage bei Jugendlichen höher, weil sie als kreativ und gestalterisch gelten.
Das bedeutet das langfristig:
Der Mangel verschärft sich: Heute leere Ausbildungsplätze → morgen fehlende Gesellen und Meister → noch mehr unbesetzte Stellen, verzögerte Aufträge (z. B. bei Sanierungen, Energiewende, Fenster- und Gebäudetechnik) und Probleme bei Betriebsnachfolgen (über 100.000 stehen in den nächsten Jahren an). Das Handwerk ist zentral für Klimaschutz, Wohnungsbau und Infrastruktur. Ohne genug Fachkräfte stockt vieles.
Mögliche Lösungen und positive Ansätze:
- Imagekampagnen: Handwerkskammern, ZDH und Betriebe werben mit Social Media, Praktika, „Tag des Handwerks“ oder Videos, die den modernen Alltag zeigen (Technik, Teamwork, gutes Geld, Sinnstiftung). Erfolgreich sind oft persönliche Ansprache und Schnupperpraktika.
- Mehr Vielfalt bei der Rekrutierung: Stärkere Ansprache von Frauen (der Anteil liegt bei ca. 16–20 %), Zuwanderern (der Ausländeranteil unter Azubis steigt, z. B. aus Vietnam oder der Ukraine) und schulisch schwächeren Jugendlichen mit Potenzial. Verbundausbildung (mehrere Betriebe teilen sich die Ausbildung) oder außerbetriebliche Angebote helfen.
- Attraktiver machen: Höhere Ausbildungsvergütung, Zusatzleistungen (z. B. Tickets, Prämien), bessere Work-Life-Balance wo möglich, Digitalisierung (weniger schwere Handarbeit) und klare Karrierewege (Geselle → Meister → Betriebsleiter).
- Politik und Bildung: Bessere Berufsorientierung in Schulen, Gleichwertigkeit von Berufsausbildung und Studium (BAföG-ähnliche Förderung, Image in der Gesellschaft), Entbürokratisierung für Ausbildungsbetriebe.
Fazit:
Viele Betriebe berichten, dass sie mit kreativem Recruiting und echten Einblicken in den Job durchaus Azubis finden. Der Beruf Fensterbauer hat gute Zukunftsaussichten durch den Boom bei energieeffizienten Sanierungen und Modernisierungen.
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