Hier ist eine Einordnung, warum dieses Argument oft als Schutzschild missbraucht wird und wo die Grenze verläuft:
1. Professionalität ist Teil der Dienstleistung
Wer einen Handwerker bezahlt, kauft nicht nur die Reparatur des Rohrs oder das Verlegen der Fliesen. Man bezahlt für eine Dienstleistung.
- Kommunikation gehört dazu: Eine kurze Begrüßung, das Erklären der Arbeitsschritte und ein respektvoller Umgang miteinander sind keine Extras, sondern Basisstandards im Geschäftsleben.
- Das Image-Problem: Unhöflichkeit schadet dem Handwerk langfristig mehr als der Fachkräftemangel. Sie schreckt junge Nachwuchskräfte ab und treibt Kunden in die Hände von Glücksrittern oder Schwarzarbeitern.
2. Die „Wir haben es nicht mehr nötig“-Falle
Durch die hohe Nachfrage hat sich in manchen Betrieben eine gefährliche Arroganz eingeschlichen.
- Machtgefälle: Da Kunden oft Monate auf einen Termin warten, haben manche Handwerker das Gefühl, in einer Machtposition zu sein.
- Die Quittung folgt: Konjunkturen ändern sich. Betriebe, die Kunden heute herablassend behandeln, sind die Ersten, die bei einer wirtschaftlichen Abkühlung keine Aufträge mehr bekommen, weil der Ruf ruiniert ist.
3. Stress als Erklärung, nicht als Entschuldigung
Es ist wichtig, zwischen Stresssymptomen und echter Unhöflichkeit zu unterscheiden:
- Akzeptabel: Ein Handwerker, der kurz angebunden ist, nicht lange plaudert und sofort zur Sache kommt, weil er noch fünf Termine hat.
- Inakzeptabel: Pöbeleien, das Ignorieren von berechtigten Rückfragen, unangekündigtes Nichterscheinen oder ein herablassender Tonfall.
Was man als Kunde tun kann
Wenn man auf Unhöflichkeit stößt, ist man nicht völlig machtlos, auch wenn man den Handwerker braucht:
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Situation |
Reaktionsempfehlung |
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Patzige Antworten |
Sachlich bleiben, aber spiegeln: „Ich verstehe, dass Sie viel zu tun haben, aber ich erwarte einen respektvollen Umgangston.“ |
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Ghosting / Unzuverlässigkeit |
Schriftlich eine Frist setzen. Verbindlichkeit einfordern, statt nur zu bitten. |
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Mangelnde Transparenz |
Fragen stellen. Ein Profi sollte in der Lage sein, sein Handwerk kurz und höflich zu erklären. |
Fazit:
Der Fachkräftemangel ist ein reales strukturelles Problem, aber er darf nicht als Freifahrtschein für schlechtes Benehmen dienen. Ein voller Terminkalender ist ein Zeichen für Erfolg, und Erfolg sollte man sich mit Anstand bewahren.
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