Handwerker verbringen oft nur 50% ihrer Arbeitszeit mit wertschöpfenden Tätigkeiten

Typische Aufschlüsselung der verlorenen Zeit:

 

Handwerker, insbesondere auf Baustellen oder beim Kundeneinsatz, verbringen viel Zeit mit:

 

  • Warten auf Material, Kollegen, Subunternehmer oder Kundenentscheidungen.
  • Suchen nach Werkzeugen, Plänen, Ersatzteilen oder Informationen.
  • Administrativem Aufwand (Stundenzettel, Dokumentation, Abrechnung, Fotos machen, Nachfragen bei der Zentrale).
  • Wegezeiten, Umräumen, Aufräumen oder Konfliktlösung/Rework (Fehler beheben).
  • Vorbereitung und Koordination statt direkter Ausführung.

Eine oft zitierte englische Studie kommt sogar auf nur ca. 30 % echte produktive Zeit, also 70 % Verschwendung. Andere Analysen im Bausektor sprechen von 35 % nicht-optimaler Zeiteinsätze oder rund 50 % direkter Zeit.

 

 

In deutschen Handwerksbetrieben berichten Praktiker ähnliches: Manche Chefs schätzen ihre eigene tote Zeit auf 30–50 %, und Monteure verlieren täglich Stunden durch unklare Abläufe oder fehlende Digitalisierung.

 

 

Darum ist das so:

 

Das Handwerk ist stark projektbasiert und fragmentiert durch viele kleine Betriebe und viele Schnittstellen zu Kunden, Behörden, Lieferanten. Klassische Probleme sind:

 

  • Schlechte Planung und Kommunikation führt zu Wartezeiten.
  • Papierkram und Bürokratie sind Dauerbrenner.
  • Fehlende oder unzureichende Digitalisierung.
  • Fachkräftemangel: Überlastete Teams machen mehr Fehler und Rework.

Im Vergleich zur Industrie, wo Fließbänder und Automatisierung für höhere Wertschöpfungsanteile sorgen, ist das Handwerk anfälliger für Störungen.

 

Was bringt das finanziell?

 

Bei einem Stundensatz von z. B. 45–60 € und 8 Stunden Tagessatz kann ein Mitarbeiter leicht 200–300 € pro Tag an potenzieller Wertschöpfung verlieren. Hochgerechnet auf ein Jahr und mehrere Mitarbeiter sind das schnell fünf- bis sechsstellige Beträge pro Betrieb, Geld, das fehlt für Löhne, Investitionen oder Preissenkungen.

 

Viele erfolgreiche Handwerksbetriebe zeigen, dass man den wertschöpfenden Anteil deutlich steigern kann:

 

  • Digitalisierung: Mobile Apps für Zeiterfassung, Aufmaß, Materialbestellung und Dokumentation. Das spart 15–30 % Admin-Zeit.
  • Bessere Planung: Vorfertigung im Betrieb, klare Tourenplanung, digitale Baustellen-Organisation.
  • Prozessoptimierung: Lean-Methoden aus der Industrie anpassen, z. B. 5S für Werkzeugordnung, Standard-Checklisten.
  • Rolle klarer trennen: Monteure machen die Handarbeit, Meister/Chef übernimmt mehr Koordination oder umgekehrt entlasten durch Software.
  • Schulung & Kultur: Zeitdiebe bewusst machen und belohnen, wer effizient arbeitet.

Mit gezielten Maßnahmen berichten Betriebe von 30–40 % mehr Leistung bei gleichem oder sogar weniger Personal.

 

Fazit:

 

Die 50 %-Zahl oder sogar niedriger ist kein Schicksal, sondern ein Symptom von Ineffizienzen, die man angehen kann. Im Zeitalter von Fachkräftemangel und steigenden Kosten ist das eines der größten ungenutzten Potenziale im deutschen Handwerk. Wer hier optimiert, gewinnt nicht nur Produktivität, sondern auch attraktivere Jobs und bessere Margen.

 

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