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Es ist kein persönliches Versagen, wenn Handwerksmeister an der Teamleitung scheitern

1. Das Experten-Dilemma

 

Ein Handwerksmeister hat jahrelang gelernt, Probleme mit den Händen und technischem Verstand zu lösen. Erfolg war bisher messbar durch das fertige Werkstück oder die perfekte Installation.

 

  • Die Falle: Führung hingegen ist unsichtbare Arbeit. Man erzielt Ergebnisse nicht mehr selbst, sondern durch andere. Dieser kognitive Wechsel vom selbst machen hin zu jemanden befähigen, es zu tun, ist eine völlig neue Disziplin.

2. Fehlende Ausbildung in den soft Skills

 

Die Meisterschule bereitet intensiv auf die Betriebswirtschaft (Teil III) und die AdA-Prüfung (Teil IV) vor. Doch die Theorie der Unterweisung ist Lichtjahre entfernt vom harten Alltag auf der Baustelle, wo es um:

 

  • Konfliktmanagement zwischen Generationen,
  • Motivation bei schlechtem Wetter oder Termindruck,
  • den Umgang mit unterschiedlichen Persönlichkeitstypen geht.

Niemand würde erwarten, dass ein Laie ohne Training eine Heizungsanlage installiert, aber wir erwarten, dass ein Handwerksmeister ohne Training komplexe Gruppendynamiken steuert.

 

3. Der Rollenkonflikt: Einer von uns oder Team vs. Chef

 

Viele Meister steigen im eigenen Betrieb auf. Gestern noch Kollege und Kumpel, heute die Person, die Kritik üben und Urlaubsanträge ablehnen muss. Dieser Spagat zwischen Nähe und Distanz ist psychologisch fordernd. Wer hier scheitert, scheitert oft an der ungeklärten Rolle, nicht an mangelnder Autorität.

 

4. Die veränderte Arbeitswelt

 

Früher reichte oft ein Ansage-Gehorsam. Heute treffen Meister auf:

 

  • Fachkräftemangel: Mitarbeiter wissen um ihren Marktwert und fordern Empathie und Mitsprache.
  • Generation Z: Junge Azubis hinterfragen die Gründe hinter Aufgaben stärker als frühere Generationen. Wer hier mit den Methoden von vor 20 Jahren führt, läuft gegen eine Wand. Das ist kein Versagen, sondern ein Methodenstau.

Wenn ein Meister an der Teamleitung scheitert, ist das meist ein Zeichen dafür, dass er alleingelassen wurde. Führung ist ein Handwerk für sich, das genauso gelernt, geübt und verfeinert werden muss wie das Schweißen, Decken oder Tischlern.

 

Fazit:

 

Ehrliche Selbsterkenntnis ist hier eine Stärke. Zu erkennen, dass man lieber am Werkstück als am Menschen arbeitet, ist kein Makel. Es ist die Voraussetzung dafür, entweder Hilfe zu suchen oder die Aufgaben im Betrieb neu zu verteilen.

 

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