Die Selbstwahrnehmung von Handwerksbetrieben ist oft besser als deren Kundensicht

1. Die Definition von Qualität:

 

In der Selbstwahrnehmung des Handwerkers zählt das technische Ergebnis. In der Kundensicht zählt das Gesamterlebnis.

 

  • Der Handwerker denkt: „Die Rohrleitung ist dicht, das Gefälle stimmt perfekt, die Schweißnaht ist ein Kunstwerk.“
  • Der Kunde denkt: „Er war 20 Minuten zu spät, hat die schmutzige Werkzeugkiste auf mein Parkett gestellt und keinen Staubsauger benutzt.“

2. Kommunikationsdefizite:

 

Handwerksbetriebe unterschätzen oft das Informationsbedürfnis der Kunden.

 

  • Selbstbild: „Ich bin fleißig und arbeite das Pensum ab.“
  • Fremdbild: „Ich weiß nicht, wann er kommt, wie lange es dauert und warum die Rechnung jetzt höher ist als das Angebot.“
  • Fakt: Mangelnde Transparenz wird vom Kunden oft als Arroganz oder Unzuverlässigkeit interpretiert, selbst wenn die handwerkliche Arbeit exzellent ist.

3. Der Experten-Fluch:

 

Handwerker setzen oft Fachwissen voraus, das der Laie nicht hat.

 

  • Wenn ein Handwerker eine komplexe Lösung wählt, sieht er seinen Sachverstand.
  • Der Kunde sieht nur eine teure Rechnung und versteht nicht, warum die einfache Lösung nicht möglich war. Ohne erklärende Empathie fühlt sich der Kunde übervorteilt.

Die häufigsten Reibungspunkte:

 

Bereich

Wahrnehmung Betrieb

Wahrnehmung Kunde

Erreichbarkeit

„Ich bin auf der Baustelle und arbeite.“

„Niemand geht ans Telefon, ich werde ignoriert.“

Sauberkeit

„Wo gehobelt wird, fallen Späne.“

„Mein Haus wurde wie eine Rohbaustelle behandelt.“

Termine

„Notfälle gehen vor, das muss man verstehen.“

„Meine Zeitplanung wird nicht respektiert.“

Preis

„Gute Arbeit und Material haben ihren Preis.“

„Die intransparenten Regiestunden sind ein Schock.“

 

Wie Betriebe diese Lücke schließen können:

 

Um das Fremdbild dem positiven Selbstbild anzupassen, helfen oft schon kleine „Soft Skill“-Investitionen:

 

  1. Aktive Status-Updates: Eine kurze SMS („Bin in 15 Min da“ oder „Material verzögert sich um zwei Tage“) wirkt Wunder.
  2. Sauberkeits-Management: Überziehschuhe und ein eigener Handstaubsauger hinterlassen oft einen besser bleibenden Eindruck als die perfekte Silikonfuge.
  3. Erklär-Kompetenz: Den Kunden kurz abholen: „Ich mache das jetzt so, weil...“. Das schafft Vertrauen und rechtfertigt den Preis.

Fazit:

 

Ein Handwerksbetrieb wird heute nicht mehr nur für sein Handwerk bezahlt, sondern für das Gefühl von Sicherheit und Entlastung, das er dem Kunden vermittelt.

 

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